01. 07. 2015

Architekturwettbewerb Alte Mühle „Laubsägelihus“



Architekturwettbewerb Alte Mühle „Laubsägelihus“


Das Areal „Alte Mühle“ an der Bahnhofstrasse in Aarburg, den Alteingesessenen auch unter der Bezeichnung „Laubsägelihus“ bekannt, soll neu überbaut werden. Die städtebaulichen Anforderungen an der ebenso sensiblen als auch prominenten Lage sind an ein Projekt entsprechend hoch. Eine kompetente Fachjury erkor anfangs Jahr im Rahmen eines geladenen Projekt-Wettbewerbs nach SIA das Siegerprojekt, auf dessen Grundlage ein Gestaltungsplan auszuarbeiten ist.
 
Dem Gemeinderat war das notwendige Vorgehen zur Erreichung der Baureife dieses wichtigen Areals schon länger klar, jedoch konnte erst mit dem Wechsel der Eigentümerschaft die Planung konkret angestossen werden.
 
Gestaltungsplan „Alte Mühle“ von 1990 entspricht nicht mehr den städtebaulichen Anforderungen
Der südliche Teil des Gestaltungsplanperimeters wurde in früheren Jahren mit Ein- bzw. Mehrfamilienhäusern bereits überbaut. Der anspruchsvollere und strategisch wichtigere Bereich an der Bahnhofstrasse liegt seit Jahrzehnten brach. Die neuen Eigentümer waren jedoch gewillt, zusammen mit der Gemeinde die Planung neu anzugehen.

Die städtebaulichen Anforderungen an das direkt unterhalb der Festung und am Übergang von der lockeren Bebauung der früheren Fabrikantenhäuser mit entsprechendem Umschwung zur dichteren Vorstadt als Teil der Altstadt gelegene Grundstück zeigten sich als sehr anspruchsvoll. Zudem musste der unmittelbare Anstoss an die immer noch stark befahrene, jedoch aufgewertete Bahnhofstrasse mit dem rückwärtigen, gartenähnlichen Bereich in Einklang gebracht werden.

Genau diese Anforderungen vermochte der Gestaltungsplan aus dem Jahre 1990 nicht mehr zu erfüllen. Die sich immer positiver manifestierenden Bemühungen der Stadtaufwertung für eine hohe Siedlungs- und Freiraumqualität erforderten auch hier ein Qualitätsverfahren nach SIA.
 
Städtebaulich anspruchsvolle Aufgabe für die neun eingeladenen Planerteams
Die Ausschreibung für den Projekt-Wettbewerb nach SIA erfolgte im Einladungsverfahren, worauf neun renommierte Architekturbüros sich der Aufgabe stellten, darunter auch zwei Einheimische. Jedes Planungsteam musste zwingend einen Landschaftsarchitekten im Boot haben. Auftraggeberin ist die Pensionskasse der
SADA AG im Glattpark, Opfikon ZH.

Gemäss Programm musste ein Projektvorschlag erarbeitet werden, welcher eine Ausnützung von 0.9 bis 1.0 ausweisen kann und gleichzeitig der ambitionierten Lage zwischen Vorstadt und Villenquartier gerecht wird, dies in unmittelbarer Nachbarschaft zu historischen, geschützten Bauten.

Während die Bebauung entlang der Strasse sich dem Erscheinungsbild der nachbarlichen Gebäude anzugleichen hat, kann die Hofbebauung davon abweichen, hat jedoch die Thematik der Gärten aufzunehmen. Vorgesehen sind Flächen für Gewerbe und Dienstleistung entlang der Strasse sowie Wohnen, insgesamt ca. 3‘000 m2 Bruttogeschossfläche.
 
Siegerprojekt muss als Grundlage für den neuen Gestaltungsplan teilweise überarbeitet werden
Die Jury unter dem Vorsitz von Ernst Strebel, Dipl. Architekt ETH BSA SIA aus Zürich, sowie Vertreter der Gemeinde, beurteilte die eingereichten Projekte nach den Kriterien Städtebau, Architektur / Landschaftsarchitektur, Freiraumqualität und Wirtschaftlichkeit. Begleitet wurde die Jury von Experten der Denkmalpflege, des Ortsbildschutzes sowie der Raum- und Verkehrsplanung.

Am Ende der beiden Jurytage wurde einstimmig das Projekt „Alice“ zum Sieger erkoren. Dahinter steckte das Team mit den Architekten Joos Mathys, Zürich mit PR Landschaftsarchitektur aus Arbon. Auf den Ehrenrängen konnten sich Büros aus Olten und Aarburg über eine überdurchschnittliche Leistung freuen. Insgesamt wurde eine Preissumme von 140‘000 Franken inkl. einer fixen Entschädigung ausgeschüttet.





Das Siegerprojekt überzeugt vor allem mit dem Langhaus entlang der Bahnhofstrasse, welches die Lücke zwischen Vor- und Neustadt in selbstverständlicher Manier schliesst. Die drei Punktbauten im südlichen Teil des Perimeters, Turmhäuser als eigenständige Interpretation von Stadtvillen, sind hingegen sehr eng gesetzt und bedürfen einer Überarbeitung.

Der Aussenraum, aufgegliedert in den Strassenraum, den Hofraum und die rückwärtigen Gartenflächen überzeugen, wobei letztere von einer Überarbeitung ebenfalls profitieren werden.
 
Die planungsrechtlichen Schritte liegen in der Zuständigkeit der Gemeinde
Der Architekturwettbewerb wurde von privater Seite durchgeführt, initiiert und begleitet vom Ressort Bau Planung Umwelt der Gemeinde. Hingegen liegt die Zuständigkeit für die planungsrechtlichen Schritte alleine bei der Gemeinde, wie Lars Bolliger, Leiter Bau Planung Umwelt, ausführt.

Nach erfolgter Projektüberarbeitung wird auf dieser Grundlage ein Gestaltungsplan ausgearbeitet, welcher sowohl vom Gemeinderat wie auch vom Kanton genehmigt werden muss. Dies wird erfahrungsgemäss ein knappes Jahr in Anspruch nehmen. Gleichzeitig ist der alte Gestaltungsplan Alte Mühle teilweise ausser Kraft zu setzen.
 
Nicht die Gemeinde baut, sie steuert und begleitet „nur“ im Interesse der Stadtaufwertung
Die Aufwertungsstrategie der Gemeinde, welche seit der Eröffnung der Ortskernumfahrung im Jahre 2007 verfolgt wird, scheint aufzugehen und liefert, auch dank der kooperativen und professionellen Zusammenarbeit der privaten Grundeigentümer und Investoren, immer konkreteren Gewinn.

Letztlich sind es die privaten Investoren, welche sich mehr und mehr einer qualitativ hochstehenden Bauweise verpflichtet fühlen, um den Vorgaben der Stadtaufwertung bzw. den Ergebnissen bereits realisierter oder sich in Vorbereitung befindenden, attraktiven Projekten in Aarburg (Zimmerli-Allee und Webi-Park mit Renaturierung Dorfbach und Tych, Bahnhof West, etc.) Paroli bieten zu können.

Diese Projekte leisten einen wichtigen Beitrag zur Erlangung einer hohen räumlichen und städtebaulichen Qualität. Sie zeitigen in Übereinstimmung mit den intensiven Bemühungen der Gemeinde für eine attraktive Stadt, erfreuliche Resultate.

Ressortleiter Rolf Walser nimmt diese Entwicklung höchst zufrieden zur Kenntnis und hält fest, dass an diesen Beispielen die oft gescholtene „abstrakte“ Stadtaufwertung ein erfreuliches Gesicht bekommt und nicht mehr nur ausserhalb der Gemeinde auf Anerkennung stösst.




 

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