16. 03. 2011

Zugzwang bei der Überbauung am Bahnhof



Gemeinde unter Zugzwang

Will die Einwohnergemeinde Aarburg das Brandversicherungs-Guthaben von einer Million Franken auf dem ehemaligen Domotec-Areal realisieren, muss sie sich mit der Überbauung am Bahnhof beeilen

Am 3. Dezember 2007 brannten die Liegenschaften des ehemaligen Domotec-Areals an der Bahnhofstrasse-Güterstrasse fast vollständig nieder. Die Liegenschaften befanden sich im Eigentum privater Geschäftsleute, welche die Gewerberäume vermietet hatten. Die dortigen Gewerbetreibenden mussten innert Kürze andere Geschäftsräumlichkeiten aufsuchen oder ihr Geschäft aufgeben. Die Aargauische Gebäudeversicherung kam für den Schadenfall zum Zeitwert auf. Unter der Voraussetzung, dass die Liegenschaften innert Frist aufgebaut werden, haben die Grundeigentümer Anspruch auf die Entschädigung der Differenz zwischen Zeitwert und Neuwert. Diese Differenz am Schadentag beträgt 1 008 447 Franken.

Rasch Gespräch mit Grundeigentümer gesucht
Der Gemeinderat hat nach dem Brandfall mit den damaligen Grundeigentümern das Gespräch zum Wiederaufbau der Liegenschaften aufgenommen. Er machte für das am südlichen Eingangstor von Aarburg liegende Areal ein besonderes Interesse für die städtebauliche Entwicklung geltend. Die rund 130 Millionen teure Ortskernumfahrung wurde kurz zuvor in Betrieb genommen. Die Sanierung und Neugestaltung des Bahnhofplatzes war beschlossene Sache. Die Gemeindeversammlung bewilligte am 23. November 2007 einen Kredit von 560 000 Franken. Der Grundstein für eine nachhaltige Entwicklung des Aarestädtli wurde aber bereits Anfang 2006 gelegt. Die Gemeinde entschied sich nach einem vertieften Meinungsbildungsprozess die Gunst der Stunde durch den Bau der Ortskernumfahrung zu nutzen und legte ihre künftige Ausrichtung und ihre Ziele in einem Leitbild fest. Um so mehr wollte der Gemeinderat die Zukunft des mit guten Standortvorteilen ausgestatteten ehemaligen Domotec-Areals nach dem Brandfall Ende 2007 nicht dem Zufall überlassen, sondern die bestmögliche Überbauungslösung zum Vorteil der Gemeinde finden.

Versicherungsguthaben abgetreten
Die Grundeigentümer der Liegenschaften waren bereits im Pensionierungsalter und hatten kein Interesse, auf dem Areal hohe Bauinvestitionen zu tätigen und nochmals die Vermietung und Verwaltung von Gewerberäumlichkeiten zu übernehmen. Sie waren bereit, das Grundstück der Gemeinde zu verkaufen. Beim Kauf des 3 300 Quadratmeter grossen Areals zum Preis von rund 1.2 Millionen Franken hatte der Gemeinderat ausbedungen, dass die Verkäuferschaft das Guthaben der Aargauischen Gebäudeversicherung im Betrage von 1 008 447 Franken für einen Wiederaufbau der Liegenschaften an die Einwohnergemeinde abtritt. Am 15. Mai 2008 unterzeichnete der Gemeinderat mit Zustimmung der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission den Kaufvertrag zum Erwerb des Landes zwischen Güterstrasse und Bahnhofstrasse. In der Folge beantragte er der Gemeindeversammlung einen Initial-Planungskredit von 527 000 Franken für die Stadtaufwertung, welchen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger mit grossem Mehr bewilligten. Für den Wiederaufbau des Areals wurde ein Architektur-Wettbewerb durchgeführt. Das Rondelle-Grundstück (Restland der Ortskernumfahrung) wurde in Absprache mit dem Kanton in die Überbauungs- und Gestaltungsplanung Güterstrasse-Bahnhofstrasse (Aufwertungsschwerpunkt 5 der Stadtaufwertung) einbezogen. Das Architekturbüro Burkard & Meyer, Baden, ging als Sieger des Wettbewerbs hervor.

Fristerstreckung für Wiederaufbau-Million bis 2013
Nach den Bestimmungen des Gebäudeversicherungsgesetzes muss ein Wiederaufbau innert 3 Jahren nach Eintritt des Schadenfalls realisiert werden. Die Wiederaufbaufrist lief somit bis zum 7. Dezember 2010. Weil die sorgfältige Überbauungsplanung über die beiden Grundstücke beim Bahnhof mehr Zeit beanspruchte als zur Verfügung stand, reichte der Gemeinderat bei der Aargauischen Gebäudeversicherung ein Fristverlängerungsgesuch ein. Die Gebäudeversicherung stimmte der Fristerstreckung für den Wiederaufbau bis zum 31.12.2013 zu. Damit das Versicherungsguthaben von rund 1 Million Franken (Differenz Zeit-/Neuwert) geltend gemacht werden kann, müssen bis Ende 2013 Bauinvestitionen auf dem Areal von 5.1 Millionen Franken (Neubauwert der drei zerstörten Liegenschaften) getätigt worden sein.

Zeit wird knapp
Die Zeit dafür wird allerdings knapp. Zwei Gemeindebeschwerden gegen einzelne Gemeindeversammlungsbeschlüsse, unter anderem gegen die (unbestrittene) Zonenplanänderung Bahnhof, haben zu einer Projektverzögerung für die Überbauung am Bahnhof geführt. Das Referendum gegen das Stadtaufwertungsprojekt „Gishalde-2000-Watt“ (Aufwertungsschwerpunkt 7), über welches am 15. Mai abgestimmt werden kann, führt ebenfalls zu einer Verzögerung bei der Sicherstellung des Versicherungsgeldes. Bekanntlich kann die Einwohnergemeinde bei einem positiven Beschluss der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger zum geplanten Ökologie-Projekt „Gishalde“ (Teiländerung Zonenplanung) das OKUA-Restland beim Bahnhof (Rondelle) unentgeltlich erwerben. Erst dann wird der Weg frei für die Realisierung des Gewerbebau- Projekts und der Brandversicherungs-Million zu Gunsten der Einwohnergemeinde. Der Gemeinderat hat sich entschieden, auf Anfang April eine Ausstellung zur Stadtaufwertung mit drei interessanten Vorträgen durchzuführen. Nähere Informationen dazu werden folgen.




Gemeinde Aarburg
Rathaus, Städtchen 37
CH-4663 Aarburg

Telefon 062 787 14 20
Fax 062 787 14 10
E-mail: info@aarburg.ch